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Paper zum Vortrag auf der Konferenz
Die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens
Der Wissenschaftler im Dialog mit Verlag und Bibliothek
28.-30. November 2001, Forschungszentrum Jülich GmbH, Zentralbibliothek

erschienen in
Schriften des Forschungszentrums Jülich, Reihe Bibliothek, Band 10
ISSN 1433-5557, ISBN 3-89336-294-0
Seiten 105 bis 114

Berichterstattungen / Rezensionen zur Konferenz:


Verteilte Informationssysteme für die Wissenschaften (und ihre Vernetzung)

Michael Hohlfeld, Eberhard R. Hilf, Thomas Severiens, Heinrich Stamerjohanns,
Institute for Science Networking *

Abstract

Der Vertrieb von wissenschaftlicher Information, in elektronischer und wieder auffindbarer Form, ist zukünftig nicht mehr nur die Aufgabe von Verlagen, sondern zunehmend Aufgabe der Erzeuger/Autoren und ihrer Institutionen selbst. Den Zugang zu solchen verteilten Informationen bieten entsprechende Informationssysteme.

Einige der aktuellen Entwicklungen rund um den physikalischen Informationsdienst PhysNet, bzw. um dessen Teildienst PhysDoc - Physics Documents Worldwide - sollen hier kurz beschrieben werden.

Einführung

Eine der Aufgaben des Managements wissenschaftlicher Fachinformation ist die Bereitstellung aller benötigten Informationen für die aktuelle wissenschaftliche Forschung. Diese Informationen sind zum Beispiel Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler, Daten und Fakten, Adressen von Kollegen, Hinweise auf Tagungen etc.

Informationen können heutzutage in beliebigem Umfang von beliebigen weltweit verteilten Erzeugern online angeboten werden. Zwar wurde das Internet urspünglich entwickelt, um in den (Natur-)Wissenschaften den Austausch von Dateien, Programmen und Daten zu ermöglichen (über heterogene Rechnersysteme), aber mit der Einführung des World Wide Web gehört dieses schon lange nicht mehr der Wissenschaft allein. In der Tat bilden wissenschaftliche Fachinformationen nur ein sehr kleinen Teil der heute im World Wide Web zur Verfügung stehenden riesigen Informationsmenge.

War im Zeitalter der gedruckten Information der Transport und die Verteilung von (Fach-)Information der Engpass, so bildet diesen im digitalen Zeitalter das Retrieval, also das Auffinden und Herausfiltern der relevanten Information.

Suchmaschinen und Themenkataloge (wie Altavista, Yahoo, oder Google) erleichtern es, bestimmte Informationen im Netz zu finden. Zu bedenken ist einerseits, dass es derzeit keine Suchmaschine gibt, die in der Lage wäre, den gesamten Dokumentenbestand des Internets zu erfassen, denn der Umfang des Internets wird ca. 500mal größer geschätzt, als die Reichweiten der heutigen Suchmaschinen. Andererseits decken diese Suchmaschinen aber für die Suche nach wissenschaftlichen Fachinformationen einen viel zu großen Suchraum ab, weil sie für eine breitere Öffentlichkeit, also nicht wissenschaftsspezifisch, ausgelegt sind. Sie liefern also überwiegend irrelevante Informationen. Ein weiterer Nachteil solcher zentralen Systeme, ist die Rechenleistung, die sie benötigen. So verteilen sich zum Beispiel bei Google, der heute wohl umfangreichsten Suchmaschine, in den USA weit über 6000 Rechner auf drei große Zentren.

Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren spezielle fachspezifische Suchmaschinen-Systeme entwickelt. Sie nutzen das dezentrale Konzept des Internets, indem die weltweit verteilte Information relevanter Webserver zugänglich machen, diese Server sozusagen als verteilte Datenbank nutzen. Beispiele für solche verteilten Systeme sind das PhysNet <www.eps.org/PhysNet/>, das MareNet <www.marenet.de> oder das Math-Net <www.mathnet.de>, welche aus den entsprechenden Fachwissenschaften (Physik, Meeresforschung, Mathematik) heraus organisiert sind.

Die Vorteile solcher Informationssysteme liegen auf der Hand. Durch die Beschränkung auf relevante (fachspezifische) Webserver wird die Qualität und Relevanz der angebotenen Information sichergestellt. Die Inhalte verbleiben dabei auf den Servern der Erzeuger, welche somit auch alle Rechte und die Zugangs- und Qualitätskontrolle darüber behalten. Die Erzeuger von Informationen können so zum Beispiel jederzeit Korrekturen vornehmen, Dokumente inhaltlich aktualisieren oder deren Copyright setzen und verändern. Zudem sind solche Systeme beliebig skalierbar.

Solche verteilten Systeme und insbesondere ihre Vernetzung funktionieren erst dann wirklich sinnvoll, wenn sich alle Beteiligten zumindestens auf eine gemeinsame Semantik einigen, also ein gemeinsames (standardisiertes) Vokabular für Metadaten, wie zum Beispiel den DublinCore-Metadatensatz, verwenden. Auch die Open Archive initiative (OAi) <www.openarchives.org> geht mit einem gemeinsamen Protokoll in diese Richtung.

Beispiele für die Vernetzung von verteilten Informations-Systemen und -Quellen sind Aktivitäten des Institute for Science Networking in Oldenburg <www.isn-oldenburg.de> rund um den Dienst PhysNet bzw. dessen Teildienst PhysDoc <www.eps.org/PhysNet/physdoc.html>, über die im Folgenden kurz berichtet werden soll.

Das Projekt CARMEN

Mit der Einführung von Informationsdiensten mit dezentralen Quellen werden die Nutzer solcher Systeme mit einem hochgradig heterogenen Dokumentenraum konfrontiert. Die verschiedensten Dokumententypen werden dabei mit den unterschiedlichsten Verfahren erschlossen. Trotzdem möchte der Nutzer solcher Dienste alle relevanten Informationen bekommen, die seinem Bedürfnis entsprechen. Eine rein technisch orientierte Lösung, bei der beispielsweise physikalisch auf die verschiedenen Dokumentenräume zugegriffen wird, reicht dabei nicht aus, da es ja auch inhaltliche und konzeptuelle Unterschiede zwischen den einzelnen Datenbetänden gibt. So kann ein und derselbe Suchbegriff oder Deskriptor die unterschiedlichsten Bedeutungen haben.

Das BMBF-geförderte Projekt 'CARMEN: Content Analysis, Retrieval and MetaData: Effective Networking' <www.mathematik.uni-osnabrueck.de/projects/carmen/> beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung der Inhaltserschließung durch neue Verfahrenstechniken mit dem Ziel das Retrieval zu professionalisieren. Das Institute for Science Networking ist hier an mehreren Teilprojekten beteiligt.

In mehreren Arbeitspaketen, die sich mit Metadaten, mit Methoden des Umgangs mit der verbleibenden Heterogenität und mit dem Retrieval für strukturierte Dokumente mit Metadaten und heterogenen Datentypen beschäftigen, soll eine gewisse Homogenität und Konsistenz hergestellt und eine sinnvolle Recherche über die verteilten Informationsbestände ermöglicht werden. Dies geschieht zum Beispiel durch

  • die (Weiter-)Entwicklung von Werkzeugen zur Erzeugung von Metadaten mit Dokumentenupload, Methoden der Authentifizerung (digitale Signaturen) und zur dauerhaften Adressierung (Persistent Identifier)
  • den Aufbau von Crosskonkordanzen zu vorhandenen Klassifikationsschemata und Thesauri (z.B. PACS und MSC)
  • die Entwicklung von umfassenden Retrievalkomponenten, die beispielsweise ein Retrievial auf Metadaten, Datensätzen mit XML-Stuktur, Suchfunktionen für verschiedenen Datentypen und Klassifikationen, eine automatische Klassifikation, und eine Gatherer-Komponente einschließen soll, welche Metadaten aus unterschiedlichen Dokumentenformaten extrahiert.

Ein Ergebnis des Projektes CARMEN ist die Verknüpfung der fachspezifischen Dokumentendienste PhysDoc und MPRESS durch Crosskonkordanzen und die Möglichkeit, gleichzeitig über beide Dokumentenbestände zu suchen (siehe hierzu weiter unten).

Das OAD-Projekt

Im Rahmen des DFG/NFS-Förderprogramms 'Internationale Kooperationen im Bereich der Verteilten Digitalen Forschungsbibliothek' wird am Institute for Science Networking in Kooperation mit dem Virginia Polytechnical Institute das Projekt 'Open Archives: Distributed services for physicists and graduate students (OAD)' <www.isn-oldenburg.de/projects/OAD> betrieben.

Ziel dieses Projektes ist es ebenfalls, den Zugriff auf verteilt vorhandene Daten und Dokumente unterschiedlicher Anbieter zu bündeln. Als Austauchprotokoll soll in diesem Projekt das Protokoll der Open Archives Initiative (OAi) dienen. Die Open Archives Initiative ist ein Zusammenschluß von Betreibern offener Archive, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Archive zu vernetzen und Standards für einen Dokumentenaustausch zu entwickeln und zu verbreiten.

Die Open Archives Initiative unterscheidet zwischen Data-Providern und Service-Providern. Ein OAi Data-Provider betreibt Server bzw. Dienste, welche Metadaten mittels des OAi-Protokoll zur Verfügung stellen, OAi Service Provider stellen mittels dieses Protokolls Anfragen an andere Data-Provider und nutzten die gesammelten Daten, um eigene Dienste (z.B. Suchfunktionen) zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen des Projektes wurde der Dokumentendienst PhysDoc OAi-konform gestaltet, d.h. zunächst als Data-Provider (seit dem 13.04.01) eingerichtet und angemeldet. Die Anmeldung als Service-Provider steht unmittelbar bevor.

Damit PhysDoc als Data-Provider Daten OAi-konform zur Verfügung stellen kann, wurde ein sogenannter Metadatencontainer definiert, welcher eine umfassende Beschreibung der Elemente (hier Dokumente) umfasst, die Dublin-Core-Elemente enthält und zudem beliebig erweitert werden kann. Prinzipiell wäre es zwar möglich, direkt die SOIF-Records des Harvest-Summerizers zu nutzen, um OAi-konforme Antworten zu ereugen, denn vorhandene Dublin-Core Elemente werden dort eingebettet, hier hat man dann allerdings eine schlechte Kontrolle über die Abbildung von SOIF nach Dublin Core (denn nicht alle Dokumente enthalten entsprechende Metadaten).

Bei der Verwendung dieses Metadatencontainers (als SQL-Datenbank) werden zunächst die SOIF-Records offline konvertiert. Dabei werden sie normalisiert, d.h. die vorhandenen DC-Elemente genutzt, und wenn diese nicht vorhanden sind, aus den entsprechenden SOIF-Elementen Dublin-Core-Elemente erzeugt (aus dem Title-Tag z.B. ein DC.Title, etc.). Verschiedene Repräsentationen einzelner Metadatenelemente (DC.Language oder DC.Date) werden in ein einheitliches Format überführt. Eine einfache Qualitätsfunktion überprüft dann, ob ausreichend DC-Elemente vorliegen.

Der Metadatencontainer bringt viele Vorteile. Zum einen findet eine Konsitenzprüfung der Daten statt und es wird eine Qualitätsprüfung vorgenommen (wobei dann natürlich die schlecht strukturierten Dokumente rausfallen). Zum anderen erlaubt er neben DC/OAi beliebige andere Ausgabeformate und ist daher auch für andere Austauchprotokolle als OAi gewappnet.

Als Service-Provider stellt PhysDoc eine Suchfunktion zur Verfügung, welche die frei zugänglichen (und gut strukturierten) Dokumente von PhysDoc, Teilen des arXiv-ePrint Archives sowie die Metadaten kommerzieller Provider (zurzeit IOPP) umfasst.

Ein neues PhysDoc-Suchinterface

Die hier genannten bisherigen Ergebnisse der Projekte CARMEN und OAD wurden in ein neues Suchinterface für PhysDoc <www.eps.org/PhysNet/physdoc.html> integriert. Dieses ermöglicht nun

  • ein 'Quick-Search', basierend auf dem bisherigen Webinterface des Harvest-Brokers, über den gesamten Dokumentenbestand von PhysDoc (ohne Ranking, dafür schnell)
  • eine strukurierte Suche nach Titeln, Autoren, Schlagworten und Klassifikation, sowie eine Volltextsuche über den gesamten Dokumentenbestand von PhysDoc und MPRESS, versehen mit einem Ranking
  • und alternativ eine gut strukturierte Suche in mit Metadaten versehenen Teilen von PhysDoc, Teilen des arXiv-ePrint Archives und Teilen von IOP (Institute of Physics).

SINN

Neben der schon genannten Anforderung, dass ein optimales Informationssystem nur den relevanten Datenraum absucht, wird natürlich auch die Anforderung gestellt, dass Anfragen an ein solches System schnell und stets bearbeitet werden und dies möglichst unabhängig von der Netzbelastung oder dem Ausfall von Programmen oder von Hardware.

Das Projekt 'SINN - Suchmaschinennetzwerk im Internationalen Naturwissensschaftlichen Netz' <www.isn-oldenburg.de/projects/SINN> beschäftigt sich mit diesem Thema. Durch den Aufbau eines Spiegelnetzwerkes des Informationsdienstes PhysNet und die Vernetzung von global verteilten Informationsbrokern (Query-Beantwortern) und Informationsammlern (Gatherer), soll dieser Dienst vor Serverausfällen sicher gemacht und die Netzbelastung reduziert werden.

SINN ist ein Vorhaben im Rahmen des DFN-Projektes 'Einsatz von Netzdiensten im wissenschaftlichen Informationswesen' und wird mit Mitteln des BMBF gefördert. Das Institute for Science Networking betreibt dieses Projekt in Kooperation mit mehreren internationalen Partnern.

Das PhysNet-Suchmaschinen-Netzwerk soll mehrere global verteilte Spiegel des vollen Datensatzes von weltweit regional erstellten Index-Dateien enthalten und bei einem Ausfall eines (oder mehrerer) der beteiligten Such-Interfaces den Nutzer automatisch auf einen anderen, funktionierenden Spiegel leiten. Der Einsatz regionaler Harvest-Broker soll einerseits die Netzbelastung weltweit verringern, andererseits das Anwortverhalten verbessern.

Mit der Replicator-Technik bietet die eingesetzte Software Harvest prinzipiell die technische Möglichkeit hierzu, diese wurde aber bisher noch nicht im praktischen Betrieb eingesetzt. Zwar wurde die Software im Rahmen des Math-Net-Projektes schon erprobt, wo aber schnell festgestellt wurde, dass sie einer Überarbeitung bedarf.

Für den optimalen Anfragenaustausch zwischen den Spiegeln soll im Rahmen dieses Projektes eine auf XML-Query aufbauende Sprache entwickelt und erprobt werden. Die Kommunikation zwischen den Brokern soll mittels eines XML-Protokolls realisiert werden.

Als erster Schritt wurde ein Programm entwickelt, welches es erlaubt, Spiegel der PhysNet-Seiten (die reinen HTML-Seiten) zu installieren. Derzeit gibt es weltweit acht solcher Spiegel.

Am Ende des Projektes SINN soll es ein Informationssystem für die Physik geben, welches die gebündelte Information möglichst vieler fachspezifischer Server vorhält, über verteilte Suchmaschinen zugänglich macht, redundant spiegelt und eine einheitliche Nutzeroberfläche zu möglichst vielen fachspezischen Datenquellen bietet. Dieses System soll auf Dienste anderer Fachrichtungen übertragbar sein und durch die Vernetzung dieser Dienste letztlich auch ein Retrieval über die Informationsangebote verschiedenster Disziplinen ermöglichen, wobei hier auch die Ergebnisse der oben beschriebenen Projeke CARMEN und OAD einfließen werden.

Einige Bemerkungen als Zusammenfassung und zum Umfeld

Die Hauptaufgabe des Verteilens wissenschaftlicher Information - einer Aufgabe, deren sich die professionelle Vertriebskette Verlag-Grossist-Bibliothek angenommen hatte - entfällt im elektronischen Zeitalter. Wissenschaftler können ihre Forschungsergebnisse direkt über das World Wide Web, zum Beispiel über ihre eigene Homepage, den Server ihres Fachbereiches oder über PrePrint-Server veröffentlichen und damit weltweit für jeden überall und jederzeit zugänglich machen.

Damit kehrt sich auch die zeitliche Reihenfolge von 'erst referieren, dann publizieren' zu 'erst publizieren, dann referieren' um. Dies eröffnet nun aber anstelle des bisherigen einstufigen Peer Reviewing des Verlages (ein unbekannter Referee bewertet die Arbeit und gibt dem Autor väterlich Ratschläge VOR der Veröffentlichung) zu einem vielstufigen Verfahren, dass die Möglichkeiten auslotet, die sich bieten, wenn der Artikel schon online liegt. Es entfällt die Notwendigkeit des väterlichen Ratschlages, und damit der Anonymität. Stattdessen wird sich ein vielstufiges Qualitäts-Evaluierungskonzept durchsetzen. In ihm werden dem Dokument im Lauf der Zeit Meta-Informationen hinzugefügt, die den Leser (und dessen Suchmaschine) informieren, wer und welche Instanz diesen Text wie bewertet hat: Berufsqualifikation des Autors als erstes Filter, Annahme durch den Betreuer seiner Arbeitsgruppe, den Institutsleiter, den Leiter des Departments, Annahme durch die Universitätsbibliothek, die Bewertung durch Fachkollegen (Annotations).

An keiner Stelle wird so die wissenschaftliche Diskussion behindert. Leser, die Suchmaschinen nutzen, können persönliche Filter setzen, z.B. ich will nur Artikel angezeigt bekommen, die mindestens von der Bibliothek des Autors angenommen worden sind, usw. Dieses vielschichtige Modell wird im englischen Vetting genannt (siehe auch <http://physnet.uni-oldenburg.de/~hilf/vortraege/cern01/> und 'Workshop on the Open Archives Initiative (OAI) and Peer Review journals in Europe' <http://documents.cern.ch/AGE/current/fullAgenda.php?ida=a01193>).

Eine Realisierung eines solchen Verfahrens ist im Projekt GAP - German Acadermic Publishers geplant.

Wissenschaftliche Erkenntnisse, welche durch staatliche Förderung gewonnen wurden, müssen auch öffentlich zugänglich sein, diese Forderung setzt sich immer mehr durch (siehe auch <www.wissenschaftsrat.de/texte/4935-01.pdf>). Sie wird in den USA teilweise bereits in die Berufungsbedingungen an Hochschulen geschrieben, ist Teil des OAi Konzeptes, entspricht den Empfehlungen der IuK (Initiative Information und Kommunikation <www.iuk-initiative.org>) und der DINI (Deutsche Initiative Netzwerkinformation <www.dini.de>).

Den Verlagen bleibt die Zuwendung zu professionellen add-on Diensten, die die Auwertung, das intelligente personenbezogene Suchen, die Einordnung (cross-back-forward-citation), etc. betreffen, nachdem das Geschäftsmodell, sich mit dem Besitz von Dokumenten und deren Zugang zu finanzieren, entfällt. Die Dokumente und die Inhalte sind ja schon über den Autor direkt zugänglich.

Konsequenterweise steht wohl bei großen renomierten physikalischen Fachverlagen (APS - American Physical Society) die völlige Freigabe der vollen Texte bevor.

Die sogenannte Bibliothekskrise, mit zweistelligen prozentualen Preissteigerungen seit Beginn der neunziger Jahre hat den Umbruch sicher beschleunigt.

Daraus abgeleitet wird das Copyright neu angepasst: Die Autoren selbst müssen ihrem Dokument Anweisungen beifügen, was mit dem Dokument geschehen soll (is to be distributed, copied, downloaded by anyone interested, as long as he/she does not change it and cite it correctly). Wissenschaftliches Copyright hat im Unterschied zu dem in der Belletristik pp. zum Ziel, die maximale Verbreitung und die Integrität des Dokumentes zu fördern.

Zum Thema Langzeit-Archivieren liessen sich auf der Konferenz 'Long Term Archiving of Distribtued Documents in Physics' <publish.aps.org/IUPAP/> der IUPAP <www.iupap.org> im November 2001 in Lyon folgende Leitlinien für das Online-Zeitalter erkennen:

  1. Die Version eines Dokumentes, die für die Langzeitarchivierung zu wählen ist, wird die elektronische sein.
  2. Damit sie den vollen Gehalt wie vom Autor gewünscht, enthält, sind internationale Archiviersprachen zu verwenden (XML, CML, MathML, SGML).
  3. Langzeitarchivierung ist eine staatliche Aufgabe. Verlage können für eine Zwischenzeit, z.B. während ihrer Existenz, die Archivierung übernehmen. Für die Langzeit-Archivierung kommen aber nur staatliche Institutionen (National- oder in Deutschland die Sondersammelbibliotheken) in Frage.
  4. Um die archivierten Dokumente lesbar zu halten, sind nur nicht-proprietäre Formate zuzulassen (da man sonst davon abhängt, ob z.B .pdf im Jahre 2100 noch existiert).
  5. Die Dokumente müssen maschinenlesbar auffindbar sein (Metadaten).

(siehe hierzu auch <http://physnet.uni-oldenburg.de/~hilf/vortraege/lyon01/>)

Die zunehmende Bedeutung von verteilten Informationssystemen zeigt sich im beschriebenen Wandel im Bereich des wissenschaftlichen Publizierens. Zukünftig ist die Verbreitung von wissenschaftlicher Information in elektronischer, wieder auffindbarer und über lange Zeiträume archivierbarer Form, die Aufgabe der Erzeuger dieser Informationen und ihrer Institutionen selbst. Die technischen Voraussetzungen hierzu sind schon vorhanden und werden laufend weiterentwickelt.

Literaturhinweise und weiterführende Links:

E. R. Hilf, M. Hohlfeld, T. Severiens, K. Zimmermann: Distributed Information
Services in Physics High Energy Physics Libraries Webzine, Issue 4 / June 2001
[ISSN 1424-2729]
<http://library.cern.ch/HEPLW/4/papers/2/>

T. Severiens, M. Hohlfeld, K. Zimmermann, E. R. Hilf: PhysDoc - A Distributed
Network of Physics Institutions Documents - Collecting, Indexing, and Searching
High Quality Documents by using Harvest
D-Lib Magazine, Vol. 6 No. 12, December
2000 [ISSN: 1082-9873] [DOI: 10.1045/december2000-severiens]
<http://www.dlib.org.ar/dlib/december00/severiens/12severiens.html>

E. R. Hilf: Physics Archiving: Requirements, Perspectives, and
some Approaches in Germany;
at IUPAP Workshop Long Term Archiving of Digital Documents in Physics, Lyon, Nov.2001
<http://physnet.uni-oldenburg.de/~hilf/vortraege/lyon01/>

E.R.Hilf and H.-J. Waetjen: Scientific Refereeing in a Distributed World;
at Workshop on the Open Archives Initiative (OAI) and Peer
Review journals in Europe, CERN, March 2001
<http://physnet.uni-oldenburg.de/~hilf/vortraege/cern01/>

PhysNet - Network of Physics Departments and Documents Worldwide
<www.eps.org/PhysNet/>

MareNet - Marine Research Institutions and Documents Worldwide
<www.marenet.de>

MathNet - Informationservices for Mathematicans
<www.mathnet.de>

Open Archives: Distributed services for physicists and graduate students (OAD)
<www.isn-oldenburg.de/projects/OAD>

CARMEN: Content, Analysis, Retrieval and Metadata: Effective Networking
<www.mathematik.uni-osnabrueck.de/projects/carmen/>

SINN: Suchmschinennetzwerk im Internationalen Naturwissenschaftlichen Netz
<www.isn-oldenburg.de/projects/SINN/>

Open Archives initiative (OAi)
<www.openarchives.org>

Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur digitalen Informationsversorgung
durch Hochschulbibliotheken
<www.wissenschaftsrat.de/texte/4935-01.pdf>

Initiative Information und Kommunikation (IuK)
<www.iuk-initiative.org>

Deutsche Initiative Netzwerkinformation (DINI)
<www.dini.de>

Autoreninformationen

Michael Hohlfeld, Eberhard R. Hilf, Thomas Severiens, Heinrich Stamerjohanns

Institute for Science Networking
Ammerländer Heerstraße 121
26129 Oldenburg
www.isn-oldenburg.de

info@isn-oldenburg.de

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Proceedings of the conference
'Die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens',
28.- 30. Nov. 2001, Forschungszentrum Jülich

Online Version: http://isn-oldenburg.de/~hohlfeld/juelich_nov01.html